Die Hoffnung stirbt zuletzt

 

Wer hat eigentlich jemals gedacht, dass das ein tröstlicher Spruch ist.
Eigentlich ist es doch der traurigste Spruch überhaupt. Denn es heißt ja eben nicht, dass es immer noch Hoffnung gibt, sondern ganz im Gegenteil. Sie stirbt. Nur eben zuletzt. Wenn Freude und Liebe und Glück, wenn alle schon tot sind. Dann stirbt irgendwann die Hoffnung.

Aber der Mensch, der Mensch dessen Hoffnung da gerade stirbt, der ist nicht tot. Nein, der darf weiterleben. Und da die Hoffnung das letzte schöne ist, was noch da ist, lebt man/frau in dieser Wüste oder Hölle oder Abgrund oder Brunnenboden weiter. Nur eben ohne Hoffnung.

Dieses Bild habe ich im Rahmen eines Journaling Kurses gemalt.

 

Art Journaling Raw

Die Frage die man sich vor dem Malen stellen sollte war: Worauf hast du gewartet?

Worauf hast du gewartet:

  • in Gedanken
  • im Herzen
  • mit deinem Körper
  • in deiner Seele

Den Anfang bildete die junge Frau, deren Mimik erstorben ist, der Blick einfach leer. Als nächstes kam die Assoziation zum Gedicht von Rilke: Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Ich fühle mich so oft wie dieser Panther, der auch jegliche Hoffnung aufgegeben hat:

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

In meinen Herzen hat auch alles aufgehört zu sein. Wobei nein, der Schmerz, der Schmerz stirbt nie. Wusste auch schon Zappa: the torture never stops.

Die Farben habe ich intuitiv gewählt. Einfach in die Tubenkiste gegriffen und grün und terracotta gegriffen. Hellgrün, Farbe der Hoffnung, vielleicht ist ja doch noch etwas Leben da. Und Terracotta, der Lehm aus dem wir alle kommen…

Dann fiel mir das Krokodil quasi in den Schoß und die herabfallenden Hirsche, die wie die gebratenen Tauben dem Hirsch ins Maul fliegen.

Die Schlussaufgabe war, dem Bild ein Wort zuzuordnen. Hope – Hoffnung stieg ganz unbewusst auf. Das Wort passte für mich so gar nicht zum Bild, zu seiner Aussage, dem Mädchen mit den leeren Augen, dem gefräßigen Krokodil und den sterbenden Hirschen. Aber nun gut, das Wort war nun einmal da und das Bild nicht gemalt um zu entzücken oder schön zu sein, sondern um dem Raum zu geben was ist. Und die Hoffnung wollte aufs Bild.

Zwei Tage hat es nun in mir gearbeitet, dieses kleine Wörtchen Hoffnung. Und heute überfiel mich dann der Spruch: die Hoffnung stirbt zuletzt.

In diesem Jahr sind so viele Hoffnungen gestorben, so viele Chancen auf Neubeginn und auf Heilung sind zerschellt. Nun ist sie tot die Hoffnung. Und ich lebe weiter.

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