Licht unterm Türspalt?

Ein Jahr ist es nun her, dass ich meinen letzten Klinikaufenthalt begonnen habe. Ein Jahr wie eine Ewigkeit und dennoch irgendwie wie gestern. Das letzte Jahr liegt im Nebel. Ich hatte eine ca. 4 Wochen lang recht gute Phase (die aber noch nicht mal an mein früheres Leben tippen durfte), der Rest war oft Heulen und Zähneklappern.
In den letzten Wochen spitzt es sich wieder zu. Die Abstürze kommen wieder schneller und der letzte war sehr tief, mit einer äußerst erschreckenden SM Vorstellung.
Der einzige Mensch der annähernd weiß wie es in mir aussieht, ist meine Therapeutin. Mit meiner Familie rede ich so gut wie gar nicht mehr darüber. Zumindest ist dies das Gefühl, dass ich habe, einzelne Familienmitglieder sehen das vielleicht anders. Zumindest wissen sie, dass es mir nicht gut geht. Aber wie schlecht es mir geht, davon haben sie wohl keinen Schimmer.
Meine letzte Therapiestunde war am Freitag. Es ging um den letzten schweren Absturz. Manchmal in sehr schlimmen Phasen vereinbaren wir, dass ich mich kurz per Mail melde. Das haben wir diesmal nicht. Heute nun habe ich eine Mail meiner Therapeutin bekommen. U.a. schreibt sie, dass sie hoffe, ich würde einen Licht unter Türspalt sehen.
Wenn ich über das Bild vom „Licht unter dem Türspalt sehen“ nachdenke, dann kommt spontan: heute geht es mir doch ganz ok. Um dann im nächsten Moment zu denken, das ist aber kein Licht unter dem Türspalt, wenn es mir ganz ok geht. Das Einzige was sich verändert, ist, dass ich manchmal besser damit umgehen kann, dass da kein Licht unterm Türspalt ist und auch nie wieder sein wird. Hinter der Türe ist nur schwarz und Tod.
 Dann schießt schon der nächste Gedanke: bestimmt war ich es selbst, die ein Handtuch vor den Türspalt  gelegt hat, damit erst gar kein Lichtstrahl zu mir durchdringen kann.
mea culpa
mea culpa
mea maxima culpa
Das mea culpa meiner katholischen Erziehung. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Und das Gebet während der Wandlung: ich bin nicht würdig.
Und nicht nur, dass ich da sitze und selbst daran Schuld bin, dass es nie wieder Licht wird. Jetzt sitze ich hier, bin in Tränen aufgelöst, die Verzweiflung überflutet mich. Noch nicht einmal wenn mir jemand etwas Gutes tut, kann ich es so nehmen, ohne mich schuldig und undankbar zu fühlen.
Die Mail war ein Dazusetzen in die Dunkelheit und meine Hand zu halten. Es war ein Aushalten, dass da für kein Lichtstrahl ist, wo er für andere erkennbar sein mag.
Euer Brunnenkind
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