Warum es beim ACT-Schachspiel keine Gewinner und Verlierer gibt

Schachspiel

 

Unsere Therapeuten geben wirklich alles, damit wir die dröge Theorie ihres verhaltenstherapeutischen Repertoires so richtig verinnerlichen.

Diesmal auf der Tagesordnung der ACT-Gruppe: die Schachspiel-Übung.

Weiße und schwarze Schachfiguren werden aufgestellt, wie, ist im Gegensatz zum Schachspiel vollkommen egal, es geht nur darum Figuren zum Ziehen zu haben.

Hier im Spiel eröffnet schwarz. Jede schwarze Schachfigur ist ein negativer Gedanke. Die Figur zieht vor, die Mitpatientin spricht den Gedanken laut aus:

Ich bin hässlich.

Die gegenübersitzende Mitpatientin zieht eine weiße Figur und platziert sie gegenüber der Schwarzen und stellt dem Gedanken einen positiven Gedanken gegenüber:

  • Du siehst gut aus.
  • Ich bin ein Versager – du gibst dein Bestes
  • Ich habe Angst vor der Prüfung – du schaffst das

 

Das Spiel geht solange bis alle Figuren bewegt wurden.

Klar schließt sich auf die Übung die Frage an die Gruppe an:

Was soll es uns sagen?

Jedem negativen Gedanken sollte man einen positiven Gedanken entgegensetzen, war die Meinung der meisten Mitpatienntinnen*.

Aber klar, so einfach kann es nun echt nicht sein. Im Namen des Therapiemodells kommt nicht umsonst das Wort: Akzeptanz vor.

Und auch die Frage nach einem Gewinner des Spiels läuft ins Leere.

Die Auflösung:

Das Schachbrett sind wir selbst. Das Schachbrett! Nicht die Figuren! Wir sind nicht der Kampf und ganz oft haben wir auch gar keine Kontrolle über den Kampf der da tobt.

Statt Schachbrett könnte man als Bild auch eine Bühne nehmen. Wir bieten unserer Gedanken und Gefühlen eine Spielfläche, aber wir sind nicht unsere Gedanken und Gefühle.

Unser Kampf der vermeintlich guten Mannschaft zum Sieg zu verhelfen führt meistens dazu, dass wir versuchen unsere negativen Gedanken zu unterdrücken, zu bekämpfen, zu verdrängen.

Und dieser Versuch läuft oft genug ins Leere. Auf Dauer kann man nicht kontrollieren was nicht zu kontrollieren ist.

Wenn wir aber die Gefühle nicht spüren wollen und bekämpfen, dann gehen wir Wege, die mit unseren Werten und Zielen nicht viel zu tun haben. Wir stecken unsere Energie in die Vermeidung und ins Bekämpfen.

Wir versuchen es mit Suchtmitteln und Ablenkung, aber auf Dauer führt dies zu einer Einschränkung unserer Freiheit. Und wenn wir die Dinge nicht unter Kontrolle behalten können, dann entsteht Verärgerung und Wut oder Ohnmacht und Trauer. Wieder Energie, die in die falsche Richtung geht.

ACT setzt diesem Vermeidungs- und Kampfverhalten das Konzept der Akzeptanz entgegen. Es geht nicht darum, die Gefühle nicht wahrzunehmen, oft genug zeigen sie uns ja das, was uns wirklich wichtig ist.

Akzeptanz ist auch kein Schönreden.

Es ist ein Ansatz mit allem was in uns ist, in Kontakt zu sein. Die Kämpfe auf dem Schachbrett von außen zu beobachten. Und sich klarzumachen, wir sind und bleiben das Schachbrett und bleiben was wir sind. Egal ob schwarz oder weiß gewinnt.

Wie man übt Gedanke und Gefühle zu akzeptieren statt zu bekämpfen, das werde ich in einem der nächsten Blogposts behandeln.

Kontrollfreie Grüße

Euer Brunnenkind

Mehr zu ACT im Blogpost: ACT und wie ich die Welt sehe.

 

 

*statt generischem Maskulinum verwende ich generisches Femininum
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4 Kommentare zu “Warum es beim ACT-Schachspiel keine Gewinner und Verlierer gibt

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