ACT und wie ich die Welt sehe

Lemonade & Bubblegum

Eine Therapieform im Rahmen der Depressionsbehandlung ist ACT. ACT steht für Akzeptanz- und Commitmenttherapie.

Bei ACT handelt es sich nicht nur um eine klassische verhaltenstherapeutische Technik.
Es geht nicht primär darum seine Gedanken zu verändern, sondern:

  • Seine Werte zu klären
  • Sein Handeln an den Werten auszurichten
  • Achtsam zu sein
  • Sich selbst anzunehmen (Commitment)

Im Gegensatz zu anderen verhaltenstherapeutischen Ansätzen geht es hier nicht darum, Ängste und Depressionen wegzuschieben und die Gedanken zu stoppen oder zu bewerten . Es geht nicht darum, Gedanken zu bekämpfen, davor zu fliehen oder sie zu kontrollieren, auch nicht Handlungen oder Angst verursachende Dinge zu vermeiden, sondern eher zu akzeptieren, dass es nun mal gerade so ist.

Das ist natürlich nur ein ganz extrem verkürzter Einblick eines Laien.

Wer sich für die Methode interessiert findet hier sehr gute Informationen dazu: klick.

Ein wunderbares Buch zu Theorie und Praxis ist übrigens: Wer dem Glück hinterher rennt, läuft daran vorbei. Die Titelgestaltung ist grausam, der Inhalt jedoch großartig. Hier eine Leseprobe.

Hier in der Klinik gehört ACT zu den Therapieangeboten. Dazu treffen sich zwischen 8 und 10 Patientinnen* zweimal in der Woche für 75 Minuten mit einem ACT Therapeuten. Auf dem Plan steht entweder Theorie oder praktische Übungen.

Zwei Übungen möchte ich euch nachfolgend gerne vorstellen:

Die Seilübung

Teil 1:

Dabei stehen sich 2 Personen gegenüber und jede hält das Ende eines Seiles in der Hand. Eine Person benennt ein Problem, das sie loswerden möchte. In meinem Fall wäre es die Depression. Zwischen Person A und mir befindet sich ein imaginärer Graben und in diesen soll ich meine Depression hineinziehen, um sie ein für alle Mal loszuwerden. Aber oh Wunder, je mehr ich am Seil ziehe und alle Kraft daran setze die Depression in das Loch zu ziehen, desto mehr Kraft setzt sie ein, um von dem Loch nicht verschlungen zu werden.

Hört sich vielleicht simpel an. Dennoch hat es mir ganz deutlich gezeigt, wie viel Kraft auf das Beseitigen-wollen der Depression geht und wie sehr ich bei dem Kampf mit der Depression alles um mich herum ausblende. Ich ziehe und zerre und bekomme überhaupt nicht mehr mit, was um mich herum geschieht.

Teil 2:

Ich nehme das Seil auf und gehe einfach los. Das Seil bestimmt den Abstand. Und wenn die Depression (oder das Problem) mitkommen möchte, muss es mir folgen, denn ich zerre ja nicht mehr an ihm. In diesem Fall ist die Depression zwar immer noch hinter mir oder an meiner Seite, aber ich gehe freier. Mein Blick ist frei auf Ziele gerichtet zu denen ich hin möchte und nicht nur auf die Depression fokussiert.

So kann ich mir Freiheit verschaffen, Dinge zu tun, die mir wichtig sind, in dem ich den Blick von der Depression abwende. Ich bekämpfe sie nicht. Aber ich wende ihr auch nicht meine volle Aufmerksamkeit zu.

Eine zweite Übung kann es vielleicht verdeutlichen:

Personifizierte Gedanken

Eine Patientin benennt störende Gedanken, z.B.

  • ich bin ein Versager
  • alle hassen mich
  • ich bin dumm

Teil 1:

Für jede dieser Aussagen wird eine Mitpatientin ausgesucht. Die ausgesuchten Personen stellen sich nun hinter die Patientin und flüstern, sagen oder schreien ihr diese 3 Gedanken zu.
Die Patientin soll in der Situation versuchen, den Gedanken nicht zu viel Bedeutung zuzumessen.

Teil 2:

Die Patientin soll ein Ziel benennen, das ihr wichtig ist. Z.B. eine eigene Wohnung einrichten. Das Ziel wird auf einen Zettel geschrieben. Wie im 1. Durchgang werden der Patientin ihre Sätze „um die Ohren gehauen“, aber dieses Mal richtet sie ihre Aufmerksamkeit ganz gezielt auf den Zettel mit ihrem Ziel.

Den Mitpatientinnen* die das Ganze nur als Zuschauer betrachtet haben, fällt auf, dass im 2. Durchgang die Stimmen lauter werden, aber viel weniger durchdringen. Und auch die Patientin berichtet, dass die Fokussierung auf den Zielzettel die störenden Gedanken in den Hintergrund gedrängt hat.

 

Bei der Seilübung habe ich noch mitgemacht, bei den personifizierten Gedanken habe ich erst mal ausgesetzt. Dazu brauche ich noch ein paar Übungen im Vorfeld und ein bisschen mehr seelische Stabilität.

Aber der Erkenntnisgewinn war trotzdem groß.

Wie ist es bei euch? Habt ihr von ACT schon mal gehört oder gelesen oder es vielleicht sogar ausprobiert?

Grüße aus dem Tal der Tränen

Euer Brunnenkind

 

 

 

*statt generischem Maskulinum verwende ich generisches Femininum 🙂

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Ein Kommentar zu “ACT und wie ich die Welt sehe

  1. Pingback: Warum es beim ACT-Schachspiel keine Gewinner und Verlierer gibt | brunnenkind

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