Rollenspiel: der Dschungel

maus

Rollenspiele. Sicher nicht jedermanns Sache. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, ist es sicher eine hilfreiche Methode

  • bei der Analyse der eigenen Situation
  • dem Umgang mit anderen Menschen
  • tief sitzende Ängsten aufzudecken
  • Lösungen zu finden

So war das Rollenspiel „Dschungel“ für mich sehr erhellend.

Zu Anfang versammeln sich alle Patientinnen* in einer Ecke des Raumes. Jeder überlegt nun für sich, welches Tier er gerne wäre und gibt sich einen Namen.
Ich überlege bei so was nicht lange rum, sondern nehme das Erste was mir in den Sinn kommt. In diesem Fall ist es Lilli, die Waldmaus.

Lilli und alle anderen Tiere aus der Runde haben nun die Aufgabe, sich ihren Platz im Dschungel zu suchen und zu interagieren.

Lilli steht der Sinn gar nicht danach, sie möchte sich am liebsten verkriechen. Die „Therapieversuche“ des Panthers nerven und Lilli hat den Mut zu sagen, dass sie kein Gespräch möchte. Kurz danach wird Lilli von einer „Wildkatze“ angefallen und sucht daraufhin Schutz und Abgrenzung hinter einer Gardine.

Der Geräuschpegel im Dschungel ist so hoch, dass Lilli Ohropax braucht, um ihre Abschottung perfekt zu machen. So steht sie minutenlang da, die Stirn und die Hände an die kalte Scheibe gepresst. Es fühlt sich gut an. Ihr Blick fällt auf die schneebedeckten Tannen draußen (ok im richtigen Spiel müssten das wohl satte grünen Bäume sein). Sie könnte noch Stundenlang so stehen bleiben.

Auch als das Wort: „Feuersbrunst“ zu ihr durchdringt, verspürt sie weder einen Impuls zu fliehen, noch hat sie Angst. Das Wort löst nur einen Gedanken aus: wie schön, dann wäre es vorbei.

Die Ruhe ist für Lilli vorbei, als der Therapeut sie in ihrem Versteck aufsucht, um ihr eine Aufgabe zu übertragen: im Dschungel ist eine Feuersbrunst ausgebrochen und Lilli hätte nun die Aufgabe, alle anderen Tiere zu warnen.

Dazu verspürt sie nicht die geringste Lust. Der Therapeut hakt nach, und ihr kommt in den Sinn, dass es in ihrem Leben schon so oft: „der Wolf kommt“ oder „es brennt“ geheißen hat und es immer eine Übertreibung war. Sie möchte keine Verantwortung mehr für andere übernehmen. Sie möchte einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Wie Therapeuten so sind, lässt er natürlich nicht locker. Lilli soll ein Tier auszusuchen, das die anderen alarmieren soll. Die Wahl fällt auf eine Mitpatientin, die sich einen gutherzigen Labrador als Dschungeltier gewählt hat. Und da Therapeuten listig sind, bekommt der Labrador natürlich nicht die Aufgabe vor Feuer zu warnen, sondern zu Lilli vorzudringen.

Der Trick funktioniert, die erteilte Zuwendung durchdringt die emotionale Mauer von Lilli, und sie bricht in Tränen aus.

Wow. Was so ein halbstündiges Rollenspiel alles aufwühlen und zeigen kann.

Am Schluss haben wir viel von uns und auch voneinander erfahren.

Da gab es:

  • Einen Panther, der nicht aggressiv und hungrig war.
  • Einen Affen, der sich zum therapeutischen Retter aufgeschwungen hat.
  • Einen Maulwurf, der dem Licht zustrebt.
  • Ein Murmeltier, das alleine sein will.
  • Eine verletzte Rehkuh die ihre Wunden lecken will.
  • Ein Löwenbaby das sich Achtung verschaffen möchte.
  • Einen Hasen, der mit seinem Mut den Raubtieren Respekt abnötigt.
  • Einen erfahrenen Wolf, dem trotz Warnung vor Gefahr niemand Beachtung geschenkt hat.

Der Dschungel war für jeden etwas anderes:

  • Ein total gefährlicher Ort
  • Sehr lehrreich
  • Ein Ort um sich zu entwickeln
  • Ein Garten Eden
  • Eine friedliche Umgebung
  • Ein Platz um seine Wunden zu lecken

Mich überrascht es immer wieder, welche Botschaften in einem solchen Spiel enthalten sein können. Dieses Spiel wird in mir noch lange nachwirken. Im Spiel konnte ich Dinge ausprobieren, die mich im „wahren“ Leben zu viel Mut kosten würden.
Mich abgrenzen von anderen die mich kumpelhaft auf ihre Seite ziehen wollen bzw. belehrend auf mich einwirken (der Panther)
Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen und nicht in jeden Kampf einzusteigen (die Wildkatze)
Verantwortung, die mir von einer Autorität übertragen wird, nicht wahrzunehmen
Freundliche, mir wohlgesonnene Wesen an mich ranzulassen (der Labrador)

Aber, es ist ja nur ein Spiel….

 

 

 

*statt generischem Maskulinum verwende ich generisches Femininum 🙂

 

 

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