Klinik reloaded

Als ich das erste Mal in eine Klinik für Psychosomatik ging hatte ich noch sehr naive Vorstellungen.

  • Du gehst da max. 4 Wochen hin und danach bist du wiederhergestellt. Dache ich mir so in meinem nicht-jugendlichen Leichtsinn.
  • Tabletten? Es muss ohne Psychopillen gehen. Ich muss es aus eigener Kraft schaffen.

Nach 7 Wochen war ich desillusioniert und auch ein bisschen demütig. Was hatte ich mir gedacht. Wie soll in 4 Wochen heilen, was über Jahrzehnte entstanden ist. Auch, dass Medikamente auch sehr hilfreich sein können, habe ich irgendwann geschluckt. Naja, mehr oder weniger. Innerlich sträube ich mich immer noch. Weil ich es mir als Schwäche auslege. Weil ich glaube es aus eigener Kraft schaffen zu müssen. Es ist ja nur mein Kopf. Ich sollte mich nicht so anstellen. Mich einfach mal zusammenreißen. Die Stimme in meinem Kopf ist da sehr hartnäckig und übertönt gerne mal alles andere.

Nach 7 Wochen hatte ich mir abgeschminkt als geheilt entlassen zu werden, aber anerkannt, dass mich der Klinikaufenthalt wirklich weitergebracht.

Die Jahre danach waren ein Auf und Ab. Mit mehr Abs als Aufs. 2015 dann zwei weitere Klinikaufenthalte. Auch diese haben mich weitergebracht. Aber Heilung? Ob es die gibt?

Das soll jetzt aber auf gar keinen Fall so klingen wie: Klinik lohnt sich nicht. Ich weiß nicht, wo ich ohne Klinik wäre. Meine Aufenthalte haben mir auf alle Fälle gut getan. Mir geholfen Teile meines seelischen Puzzles zu ordnen. Ein Stück weit die Lücken im Puzzle zu akzeptieren. Und ich kann nur jeden, der an einer psychischen Erkrankung leidet, ermuntern, sich in eine stationäre Behandlung zu begeben. Sicher schreibe ich dazu auch mal einen längeren Blogpost.

Dieser Blogpost ist aber vor allem eine Einleitung zu Berichten über meinen momentanen Klinikaufenthalt.

Denn seit letzter Woche bin ich wieder in einer Klinik für Psychosomatische Medizin. Meine Erwartungshaltung ist deutlich geringer als bei den letzten Malen. Was ich mir aber auf alle Fälle erwarte, ist durch Kunst- und Gestalttherapie, durch ACT und Achtsamkeit, Teile in mir zu heilen. Und was ich dabei so erlebe, das möchte ich gerne mit euch teilen und eure Erfahrungen dazu hören.

Herzliche Grüße

Das Brunnenkind.

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2 Kommentare zu “Klinik reloaded

  1. Hi.

    Ich habe deinen Blog entdeckt und klicke mich gerade so durch.
    Was mir bei diesem Text auffiel ist ein Satz, den ich bei sovielen psychisch erkrankten oft lese und der mich oft sehr traurig stimmt. Und zwar ist es der Gedanke, dass es quasi eine Schwäche ist auf Medikamente zurück zu greifen. Ich finde es schade, denn es minimiert den Nutzen, den diese Medikamente haben können. Wenn man Depressionen als eine körperliche Beeinträchtigung ansieht (und sei es nur teilweise), eine Imbalance der Botenstoffe im Gehirn…warum ist es dann eine Schwäche diese Imbalance mit Medikamenten zu richten? Eine bakterielle Infektion versuche ich doch auch nicht mit purem Willen zu heilen, sondern nehme Antibiotikum. Ohne zu denken „was bin ich doch schwach…“.

    Ich Find es traurig, dass viele an Depressionen erkrankte so die Hilfe, die sie durch Medikamente bekommen könnten quasi ablehnen. Aber man kann doch erstmal damit regulieren und es dann hinterher ausschleichen. Medikamente zu nehmen heißt ja nicht, dass man „nur noch mit happy pills funktioniert“.

    Ich plädiere immer dafür, dass man sich dieser Hilfe öffnen sollte und sie nicht zu sehr demonisieren sollte. Es ist nichts verwerfliches auch dem Körper die ein oder andere Hilfestellung zuzugestehen.

    Das soll übrigens kein Vorwurf oder der erhobene Zeigefinger sein, es tut mir leid wenn das so rüberkommt. Nur ein Gedanke, den ich beim Lesen hatte. Lediglich meine Erfahrungen…die ich gern mit anderen Betroffenen teile.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg bei diesem Klinik-Aufenthalt.

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  2. Liebe Perlenmama,

    danke für deine guten Wünsche und deinen netten Kommentar. Ich empfinde ihn gar nicht zeigefingermäßig, sondern mutmachend und liebevoll.

    Der rationale Teil in meinem Gehirn stimmt dir auch absolut zu. Aber der wird von meinem inneren Kritiker ganz oft eingesperrt. Der sagt mir nämlich, dass ich ja eigentlich gar nicht krank bin, sondern mich nur zusammenreißen müsste. Kommentare wie deiner, die so verständnisvoll sind, rühren mich dann zu Tränen.

    Und der Witz dabei ist, einem anderen Depressiven würde ich es auch in der Art erklären, aber eben nicht mir.

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag

    Liebe Grüße

    Das Brunnenkind.

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