Lebensgefahr

brunnen-boot

Ihr kennt das sicher. Man nutzt ein Wort jahrelang und manchmal entdeckt man einen verborgenen Kern oder eine andere Bedeutung. So ging es mir mit dem Wort: Lebensgefahr.

Lebensgefahr. Ein so einfaches Wort. Jeder weiß was es bedeutet: wenn man in Lebensgefahr ist, dann droht man das Leben zu verlieren. Müsste es dann nicht eigentlich Todesgefahr heißen?

Und ist die wahre Bedeutung von Lebensgefahr vielleicht, dass man Gefahr läuft zu leben? Wahrscheinlich muss man schon sehr depressiv sein, um auf eine so abstruse Idee zu kommen. Mir hat es auf alle Fälle ganz schön zu denken gegeben.

Mir. Dem depressiven Menschen oder vielleicht besser dem Menschen mit Depression. Ups und schon bin ich im nächsten Gedankenstrang drin. Bin ich nun ein depressiver Mensch oder ein Mensch mit Depression? Gibt es da überhaupt einen Unterschied? Wahrscheinlich schon. Mensch mit Depression hört sich zumindest für mich vorübergehender an. Wie ein Mensch mit Grippe. Wie der Unterschied zwischen behindertem Menschen und Mensch mit Behinderung. Das eine droht zur alleinigen Definition des Menschen zu werden, das andere ist nur ein Merkmal unter vielen.

Die Depression definiert mich ja nicht als Menschen. Oder doch?

Zur Zeit fühlt es sich nämlich leider so an. Aber nicht ich habe eine Depression, sondern ich bin depressiv. Unheilbar – gefühlt. Ist das die Wahrheit? Kann mir kein Mensch sagen, kein Therapeut, kein Arzt. Und auf das eigene Gefühl – wann war darauf das letzte Mal Verlass gewesen? Jemals? Verlass – Verlies. Wo ist der Zugang zu dem Verlies meiner Gefühle?

Und ist in diesem Verlies mein Leben in Gefahr oder besteht gar keine Gefahr für mich zu leben.

Weil das Verlies sich am Grund eines Brunnens befindet. Dunkel und feucht und trostlos. Bei gutem Wetter fällt ein wenig Sonnenschein in die unendliche Tiefe und wenn draußen sehr sehr viel Wärme herrscht, dann kommt ein Hauch unten bei mir an.

Und dann ist eine Ahnung da, wie dieses gefährdete Leben sich vielleicht irgendwann noch einmal anfühlen könnte, wenn die Gefahr zu leben real wird. Wenn ich es schaffe die Leiter zu erklimmen, die immer mal wieder an der Brunnenwand auftaucht.

Irgendwann begebe ich mich vielleicht einmal in Lebensgefahr.

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3 Kommentare zu “Lebensgefahr

  1. Bin über Twitter irgendwie auf Dich gestoßen 😉 Mir gefällt Dein tiefgründiges Gedankenwirrwarr hier!

    Und ja – ich hoffe, dass Du es schaffst und Dich mal richtig in Lebensgefahr begibst und die Wellen des Lebens Dich umhauen und Du gestärkt hervorgehst! Alles Gute, Nora Fieling

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